Maria Heuwing 2018
Ahnen,   Vorfahren,   Orts-   und   Weltgeschichte   …   Vergangenheit   zieht   sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Bereits   im   Gute-Nacht-Geschichten-Alter   ließ   ich   mir   anstatt   der   üblichen Märchen   oder   Geschichtchen   lieber   Erinnerungen   aus   der   Kindheit   meiner Eltern erzählen - der Zeit des 2. Weltkrieges. Durch   Zufall   -   gibt   es   überhaupt   Zufälle?   -   lernte   ich   in   der   Grundschule   die Kurrentschrift   in   ihrer   leicht   vereinfachten   Variante   „Sütterlin“,   welche   ich   mit ausgiebigem   Stöbern   in   den   wenigen   verbliebenen   alten   Familienunterlagen in meinem Bewusstsein erhielt. Sobald   ich   alt   genug   war,   um   in   Archiven   weiter   graben   zu   dürfen,   gab   es kein    Halten    mehr    und    meine    Freizeit    widmete    ich    hauptsächlich    der Ahnenforschung. Nach   vielen   Jahren   und   unzähligen   Dokumenten   sind   mir   die   Kurrentschrift ebenso   wie   die   Kanzleischrift,   welche   z.   B.   in   notariellen   Dokumenten   ge - nutzt   wurde,   mehr   als   geläufig.   Alte   Kirchenbücher   und   Familiendokumente sind nur selten ein Rätsel für mich.
Gleichzeitig   wurde   ich   Zeit   meines   Lebens   grundsätzlich   von   bildlichen   Eindrücken   geprägt   und   geleitet.   Zum   ersten   Mal wurde   mir   dies   bewusst,   als   ich      -   für   mich   aus   heiterem   Himmel   -   zum   bestandenen   Abitur   von   meinem   Vater   eine Spiegelreflexkamera   geschenkt   bekam.   Damals   selbstverständlich   noch   ein   hinreißend   “altmodisch”   analoges   Modell. Offensichtlich hat er mehr - in mir - gesehen als ich selber. Plötzlich   konnte   ich   nicht   nur   wie   zuvor   mit   der   Familienkamera   mal   dies,   mal   jenes   knipsen,   sondern   mir   eröffneten   sich neue   Möglichkeiten   und   der   Unterschied   zur   Fotografie.   Nun   konnte   ich   das   Leben   auf   meine   Art   und   Weise   festhalten. Schnell    merkte    ich,    dass    mich    neben    all    den    wunderbaren    Sonnenauf-    und    -untergängen    vor    allem    „Altes“    oder „Kaputtes“   fesselte.   Alte,   verfallen(d)e   Gebäude,   aufgelassene   Friedhöfe…   Die   Schönheit   der   Vergänglichkeit   -   neben dem Erinnerungswert - fasziniert mich zutiefst. Nach   vielen   Jahren   als   Büroangestellte   entschloss   ich   mich,   die   klassische   Bürowelt   hinter   mir   zu   lassen,   und   all   mein Wissen und Können anderen Menschen zur Verfügung zu stellen.
Foto: Michael Rother
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